Nûdem Durak – eine Stimme hinter Gittern

Kurdische Musikerin seit Jahren in Haft – internationale Solidarität mit verfolgten Künstlerinnen und Künstlern

Die kurdische Sängerin Nûdem Durak gehört zu den bekanntesten politischen Gefangenen aus der Kulturszene im Nahen Osten. Die Musikerin aus der südosttürkischen Provinz Şırnak sitzt seit April 2015 in türkischer Haft. Ein Gericht verurteilte sie wegen angeblicher „terroristischer Propaganda“ und Mitgliedschaft in einer verbotenen Organisation zu einer Gesamtstrafe von 19 Jahren Gefängnis.

Als Begründung wurden unter anderem Lieder in kurdischer Sprache sowie Auftritte bei kulturellen Veranstaltungen angeführt.

Durak arbeitete zuvor im Mem-u-Zîn-Kulturzentrum in Cizre, wo sie Kindern und Jugendlichen kurdische Volksmusik vermittelte und traditionelle Lieder sang.

Internationale Beobachter betrachten ihren Fall als Beispiel für die schwierige Lage kurdischer Künstlerinnen und Künstler. Die Musikerin selbst erklärte vor ihrer Inhaftierung:

„Singen auf Kurdisch ist mein Erbe von meinen Vorfahren – mein einziges Verbrechen ist, Kunst zu machen.“

Heute befindet sich Nûdem Durak weiterhin in Haft; ihre Entlassung wird derzeit erst für das Jahr 2034 erwartet.

Internationale Solidarität

Der Fall der Sängerin hat weltweit Solidaritätskampagnen ausgelöst. Künstlerinnen und Künstler wie Roger Waters, Peter Gabriel, Mark Knopfler, Marianne Faithfull oder Noel Gallagher unterstützten öffentlich Forderungen nach ihrer Freilassung.

Unter dem Motto „Song for Nûdem Durak“ wurde eine internationale Kampagne gestartet, die auf ihre Situation aufmerksam macht und eine Wiederaufnahme ihres Verfahrens fordert.

Durak gilt heute für viele Beobachter als Symbol für die Einschränkung kultureller und sprachlicher Rechte kurdischer Künstlerinnen und Künstler.

Weitere verfolgte kurdische Künstler

Der Fall Durak steht nicht allein. In verschiedenen Staaten des Nahen Ostens sind kurdische Künstlerinnen, Musiker, Schriftsteller und Journalistinnen wiederholt strafrechtlicher Verfolgung ausgesetzt.

Türkei

Hozan Canê (Saide Inaç)
Die deutsch-kurdische Sängerin wurde 2018 in der Türkei wegen angeblicher Unterstützung einer terroristischen Organisation zu mehr als sechs Jahren Haft verurteilt. Sie kam 2020 aus dem Gefängnis frei, durfte das Land jedoch zunächst nicht verlassen.

Ferhat Tunç
Der bekannte kurdische Folk-Sänger wurde mehrfach strafrechtlich verfolgt und 2018 wegen angeblicher „Terrorpropaganda“ zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Er lebt inzwischen im Exil.

Auch andere Künstlerinnen wie die Sängerin Rojda wurden zeitweise strafrechtlich verfolgt, unter anderem wegen Liedtexten in kurdischer Sprache oder wegen Auftritten bei politischen Veranstaltungen.

Iran

Im Iran sind zahlreiche kurdische Kulturschaffende wegen politischer Aktivitäten oder kultureller Arbeit inhaftiert worden. Zu den international bekannt gewordenen Fällen gehört der kurdische Sänger Saman Yasin, der nach den Protesten von 2022 festgenommen und wegen „Feindschaft gegen Gott“ angeklagt wurde. Menschenrechtsorganisationen äußerten große Sorge über seinen Gesundheitszustand und die Bedingungen seiner Haft.

Syrien

Auch in Syrien wurden in verschiedenen Phasen des Bürgerkriegs kurdische Künstler, Journalistinnen und Schriftsteller sowohl von staatlichen Behörden als auch von anderen bewaffneten Akteuren verfolgt oder inhaftiert. Dokumentierte Fälle betreffen unter anderem Kulturschaffende, die sich für kurdische Sprache und Kultur einsetzen.

Weitere Länder

Kurdische Künstlerinnen und Künstler sind auch in anderen Staaten der Region von politischer Verfolgung betroffen gewesen, etwa im Irak oder in europäischen Ländern durch Auslieferungsverfahren oder politisch motivierte Ermittlungen.

Kunstfreiheit und kulturelle Rechte

Internationale Menschenrechtsorganisationen betonen seit Jahren, dass die freie Ausübung von Sprache, Kultur und Kunst ein grundlegendes Menschenrecht darstellt. Besonders in Regionen mit ethnischen Minderheiten geraten kulturelle Ausdrucksformen jedoch immer wieder unter politischen Druck.

Der Fall Nûdem Durak steht deshalb nicht nur für die Situation einer einzelnen Musikerin, sondern für eine breitere Debatte über kulturelle Freiheit und Minderheitenrechte.

Appell des Niederdeutsch-Friesischen PEN-Zentrums

Das Niederdeutsch-Friesische PEN-Zentrum verfolgt die Situation von Nûdem Durak und vieler anderer verfolgter Künstlerinnen und Künstler mit großer Sorge.

Das Zentrum ruft die türkischen Behörden auf, Nûdem Durak unverzüglich freizulassen und ihr Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung sowie zu kultureller Betätigung während der Haft zu gewährleisten.

Zugleich erinnert das Zentrum daran, dass die Freiheit der Kunst und des Wortes universelle Rechte sind.

Das Niederdeutsch-Friesische PEN-Zentrum fordert daher die Freilassung aller politischen Gefangenen weltweit – unabhängig davon, in welchem Land sie inhaftiert sind.

Die Möglichkeit zu schreiben, zu singen, zu publizieren und sich künstlerisch auszudrücken ist ein grundlegender Bestandteil einer freien Gesellschaft. Wo Stimmen wegen ihrer Sprache, ihrer Kultur oder ihrer Überzeugungen zum Schweigen gebracht werden, ist auch die Freiheit aller anderen gefährdet.