Belarus: Schriftstellerin Valeryja Kaściuhova zu zehn Jahren Haft verurteilt – zunehmender Druck auf Autorinnen und Autoren
Die belarussische Schriftstellerin, Herausgeberin und Politikwissenschaftlerin Valeryja Kaściuhova verbüßt derzeit eine zehnjährige Haftstrafe in einer Strafkolonie in Homel. Sie war im Juni 2021 festgenommen worden und wurde im März 2023 in einem politisch motivierten Verfahren verurteilt. Internationale Menschenrechtsorganisationen sehen den Fall als Teil einer breiten Kampagne gegen unabhängige Stimmen in Belarus.
Organisationen wie PEN International und PEN Belarus zeigen sich seit Jahren besorgt über die zunehmende Repression gegen Schriftstellerinnen, Journalisten, Wissenschaftlerinnen und andere Kulturschaffende im Land. Im Fall Kaściuhova wird zudem berichtet, dass sie medizinische Versorgung benötigt, deren Zugang in der Haft eingeschränkt sein könnte.
Politikwissenschaftlerin und Herausgeberin
Valeryja Kaściuhova ist eine bekannte Analystin der belarussischen Politik. Sie arbeitete als Politikwissenschaftlerin und war als Herausgeberin des Online-Analyseprojekts „Nashe Mnenie“ (Unser Standpunkt) tätig, einer Plattform für politische Analysen und Kommentare.
Nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen im August 2020, die von massiven Protesten begleitet wurden, gerieten zahlreiche Journalistinnen, Wissenschaftler und Autorinnen unter Druck. Kaściuhova wurde im Juni 2021 festgenommen. Die belarussischen Behörden warfen ihr unter anderem „Verschwörung zur Machtübernahme“ und „Gründung einer extremistischen Organisation“ vor – Straftatbestände, die nach Einschätzung vieler Beobachter zunehmend gegen politische Gegner eingesetzt werden.
Im März 2023 verurteilte ein Gericht sie schließlich zu zehn Jahren Haft.
Repression gegen die Kulturszene
Der Fall Kaściuhova steht exemplarisch für die schwierige Situation von Kulturschaffenden in Belarus. Seit den Protesten von 2020 wurden zahlreiche Medien geschlossen, kulturelle Organisationen aufgelöst und unabhängige Stimmen kriminalisiert. Viele Autorinnen und Autoren mussten das Land verlassen, andere wurden verhaftet.
Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen befinden sich weiterhin mehr als tausend politische Gefangene in Belarus. Unter ihnen sind auch mehrere Schriftsteller, Literaturwissenschaftler und Intellektuelle.
Maksim Znak
Der Jurist, Essayist und Autor Maksim Znak war Mitglied des Wahlkampfteams des Oppositionspolitikers Viktar Babaryka und später von Swjatlana Zichanouskaja. Im September 2021 wurde er wegen angeblicher „Verschwörung zur Machtübernahme“ zu zehn Jahren Haft verurteilt.
Znak gilt als literarisch vielseitiger Autor; während seiner Haft schrieb er zahlreiche Texte, darunter Essays und Gedichte über das Leben im Gefängnis.
Aliaksandr Fiaduta
Der Literaturwissenschaftler, Autor und politische Kommentator Aliaksandr Fiaduta wurde ebenfalls 2021 festgenommen. Ein Gericht verurteilte ihn 2022 zu zehn Jahren Haft. Fiaduta war früher Mitarbeiter der Präsidialverwaltung unter Präsident Alexander Lukaschenko, entwickelte sich später jedoch zu einem kritischen Beobachter der politischen Entwicklung im Land.
Internationale Beobachter äußerten wiederholt Sorge um seinen Gesundheitszustand während der Haft.
Aleh Khamenka
Der Musiker, Dichter und Kulturaktivist Aleh Khamenka, Gründer der bekannten Folk-Band Palac, wurde 2026 zu drei Jahren Haft verurteilt. Ihm wurde vorgeworfen, mit einem oppositionellen Medienprojekt zusammengearbeitet zu haben, das von den Behörden als „extremistisch“ eingestuft wurde.
Der Fall zeigt, dass die Repressionen nicht nur Journalistinnen und politische Aktivisten betreffen, sondern auch Künstler und Musiker.
Weitere Fälle und Exil
Viele bekannte belarussische Autorinnen und Autoren leben inzwischen im Exil. Zu ihnen gehört etwa der international bekannte Schriftsteller Alhierd Bacharevič, dessen Bücher in mehrere Sprachen übersetzt wurden.
Auch zahlreiche Journalistinnen, Verleger und Literaturkritiker haben Belarus verlassen, nachdem unabhängige Medienorganisationen geschlossen und kulturelle Institutionen aufgelöst worden waren.
Internationale Kritik
Internationale Organisationen wie PEN International, Amnesty International und Human Rights Watch kritisieren seit Jahren die Einschränkungen der Meinungs- und Kunstfreiheit in Belarus. Sie fordern die Freilassung politischer Gefangener und ein Ende der strafrechtlichen Verfolgung von Autorinnen und Autoren.
Der Fall Valeryja Kaściuhova wird dabei häufig als Beispiel für den wachsenden Druck auf die intellektuelle Öffentlichkeit des Landes genannt.
Appell für die Freiheit politischer Gefangener
Das Niederdeutsch-Friesische PEN-Zentrum, das sich als Teil des internationalen PEN-Netzwerks für die Freiheit des Wortes einsetzt, verfolgt diese Entwicklungen mit großer Sorge.
Das Zentrum ruft die belarussischen Behörden auf, Valeryja Kaściuhova sowie alle aus politischen Gründen inhaftierten Schriftstellerinnen und Schriftsteller unverzüglich freizulassen und ihnen während der Haft Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung zu gewährleisten.
Zugleich betont das Zentrum, dass die Verteidigung der Freiheit des Wortes nicht an nationalen Grenzen endet.
Das Niederdeutsch-Friesische PEN-Zentrum fordert die Freilassung aller politischen Gefangenen weltweit und erinnert daran, dass die Freiheit des Denkens, Schreibens und Publizierens zu den grundlegenden Voraussetzungen einer offenen und demokratischen Gesellschaft gehört.
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